Naturwissenschaften und BNE

Fragen und Antworten

Philosophieren mit Kindern ist kein einheitliches Konzept. Vielmehr sind in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Reihe unterschiedlicher Ansätze entwickelt worden. Das macht es schwer von dem Philosophieren mit Kindern zu sprechen. Dennoch eint alle Ansätze eine zentrale Vorstellung, nämlich die Idee anhand bestimmter Methoden gezielt und systematisch über vorher ausgewählte Fragestellungen nachzudenken und zu diskutieren. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Beachtung einer klaren und schlüssigen Argumentation. Hiervon ausgehend können eine Reihe von Methoden unterschieden werden. In Anlehnung an Brünning sind dies insbesondere:

  1. Das Philosophische Gespräch: Im Kontext des philosophischen Gespräches geht es darum einen Sachverhalt in einer Gruppe zu diskutieren. Dazu gilt es im Rahmen der Vorbereitungsphase Fragen an den Gegenstandsbereich zu formulieren. Dies dient dazu gemeinsam zu klären, was genau in der späteren Durchführungsphase diskutiert werden soll. In dieser Phase diskutieren die Kinder den Sachverhalt. Dies wird von der pädagogischen Fachkraft behutsam moderiert. Der Fokus liegt hier auf dem Begründen von Sachverhalten. Es folgt die abschließende Reflexionsphase. Hier werden die erzielten Diskussionsergebnisse zusammengetragen, bilanziert und kritisch reflektiert.
  2. Die Arbeit mit Begriffen: Ein weiterer wesentlicher Aspekt des Philosophierens mit Kindern ist die Arbeit mit Begriffen. Ziel ist es diese so genau wie möglich zu klären und einheitlich zu verwenden. Hierfür bieten sich unterschiedliche Vorgehensweisen an. Gut geeignet für den Elementarbereich sind das Arbeiten mit beispielhaften Situationen, die Erstellung von Begriffswolken, in denen zu dem jeweiligen Begriff andere zugehörige Begriffe assoziiert und dokumentiert werden oder auch das definieren von Begriffen indem man deren exaktes Gegenteil beschreibt (zum Beispiel: gerecht -> ungerecht).
  3. Die Analyse von Sachverhalten unter Verwendung des Gedankenexperimentes: Gedankenexperimente funktionieren wie „richtige“ Experimente. Sie werden aber im Geist durchgeführt. Dazu hat sich eine „was wäre, wenn/wenn nicht“-Struktur bewährt. Mit diesem Mittel lassen sich die Wirkungen bestimmter in Gedanken vorgenommener Bedingungen im Hinblick auf deren Auswirkungen beschreiben.

Typisch für didaktisches Denken ist es Lernsituationen zu konstruieren und Kinder in diesem Zusammenhang mit fiktiven Fragestellungen und Problemen zu konfrontieren. Im Kontext der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung wird hier ein anderer Weg gegangen. Ziel ist dabei Kinder in aktuelle Problemlagen einzubeziehen und sie an der Lösung eben dieser zu beteiligen. Dabei gilt es natürlich den Entwicklungsstand der Kinder zu berücksichtigen, um Überforderungssituationen zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund wurde in der Präsentation auf die Frage der Müllvermeidung in der Kindertagesstätte verwiesen. Die Kinder können hier, gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften, überlegen wo in der Kindertagesstätte welcher Müll entsteht. Zum Beispiel indem sämtlicher Müll in der Kindertagesstätte für einen oder zwei Tage gesammelt wird. So können sich alle Beteiligten einen guten Überblick verschaffen. In einem nächsten Punkte kann der Müll auf seine Eigenschaften hin reflektiert werden. So sind biologische Küchenabfälle weniger problematisch als Plastikmüll. In einem letzten Schritt kann gemeinsam überlegt werden, wie die Müllmenge reduziert werden kann.

Auf diese Frage können zwei Antworten gegeben werden. Zunächst handelt es sich bei dem Ansatz einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung um ein innovatives Konzept, welches für die naturwissenschaftliche Bildung zahlreiche didaktische Impulse liefern kann. Ein zentraler Punkt ist es dabei Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. So würde dann die Frage, warum ein Flugzeug fliegt nicht nur aus der naturwissenschaftlichen Perspektive beleuchtet. Vielmehr stände das Feld „Fliegen im Mittelpunkt und würde aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Im Rahmen der naturwissenschaftlichen Perspektive würden dabei Freihandversuche durchgeführt und auf dieser Basis langsam ein Modell zum Gegenstandsbereich etabliert. Es kommen aber weitere Fragen aus anderen Perspektiven hinzu. Diese lauten zum Beispiel:

  1. Wie funktioniert ein Flughafen?
  2. Seit wann können wir Menschen fliegen und welche wesentlichen geschichtlichen Entwicklungen gab es?
  3. Wie verändert die Fähigkeit schnell große Entfernungen überbrücken zu können unser Zusammenleben?
  4. Wie erlebe ich die Veränderungen bei Flugreisen, zum Beispiel in Bezug auf Zeitverschiebungen oder Klimazonen?

Für die Verwendung des Konzeptes einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung gibt es aber noch ein anderes Argument, nämlich die zahlreichen nichtnachhaltigen Entwicklungen auf der Erde. Diese werden in unterschiedlichen Bereichen immer konkreter, zum Beispiel in Bezug auf den menschengemachten Klimawandel. Hier ist es wichtig durch Bildungsangebote einen Beitrag zur Begrenzung der ohnehin auftretenden Folgen zu leisten.

Bei Begriffen wie Interdisziplinarität, menschengemachtem Klimawandel oder dem Lernen in „Ernstsituationen“ fürchten viele pädagogische Fachkräfte eine Überforderung der Kinder. Diese ist in aller Regel aber unbegründet. Dafür sprechen im Wesentlichen drei Punkte:

  1. Zunächst wurden zu Fragen einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung national aber auch international eine ganze Reihe von Bildungsprojekten durchgeführt. Die hier gesammelten Erfahrungen zeigen, dass Kinder inhaltlich fruchtbar mit nachhaltigkeitsrelevanten Fragen arbeiten können.
  2. Zahlreiche Befunde der Entwicklungspsychologie der letzten dreißig Jahren zeigen, dass wir die kognitiven Fähigkeiten von Kindern eher unterschätzt als überschätzt haben. Wir sollten also Kindern ruhig mehr zutrauen.
  3. Die didaktischen Angebote im Kontext einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sind durchaus gestaltbar. Sollten tatsächlich Überforderungsbedenken bestehen, können die konkreten Angebote durchaus angepasst werden. Zum Beispiel kann die Anzahl der berücksichtigen Perspektiven in der Regel problemlos reduziert werden.

Naturwissenschaftliche Bildung befasst sich mit Bildungsprozessen in Bezug auf die belebte und unbelebte Natur. In der Didaktik der Naturwissenschaften wird in der Regel folgende Begründung für die Notwendigkeit einer naturwissenschaftlichen Bildung angeführt: Naturwissenschaftliche Bildung ist relevant, da wir in einer von Naturwissenschaften und Technik geprägten Welt leben. Daher brauchen wir, um unsere Lebenswelten zu verstehen und diese gestalten zu können naturwissenschaftliche Bildung.

Im Kontext des Ansatzes einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung wird das Argument verändert. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung hat das Ziel einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Also zum Beispiel Müll zu vermeiden, das Ausmaß des menschengemachten Klimawandels zu begrenzen oder zu einer faireren Güterverteilung auf der Erde zu gelangen. Die damit zusammenhängen Fragestellungen, aber auch Lösungsmuster sind in der Regel komplex. Daher bedarf es für ein Verständnis eines Problems oder für einen Lösungsansatz Beiträge aus unterschiedlichen Wissensgebieten. Eines dieser Wissensgebiete sind die Naturwissenschaften. Naturwissenschaftliche Bildung wird so zu einem Teilgebiet von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Dabei ist aber nicht nur das inhaltliche Wissen, also Kenntnisse über Begriffe oder Konzepte von Naturwissenschaften von Bedeutung, sondern auch die folgenden Bereiche:

  1. Naturwissenschaftliche Arbeitsweisen und Methoden: Diese können als Methoden der Erkenntnisgewinnung genutzt werden. Von besonderer Bedeutung sind hier die Beobachtung, das Experimentieren oder das Bilden von Erklärungsmodellen.
  2. Der Zusammenhang von Naturwissenschaften und Gesellschaft: Dieser ist in Bezug auf Fragen einer nachhaltigen Entwicklung durchaus komplex. So haben naturwissenschaftliche Methoden und Kenntnisse zum Beispiel durch Grundlagenarbeit den Verbrennungsmotor möglich gemacht. Dieser hat massiv den menschengemachten Klimawandel mit verursacht. Gleichzeitig stellt die Optimierung dieser Motoren aber durch naturwissenschaftliches Wissen aber auch einen Lösungsbeitrag zur Problemlage bei.